Lesetagebuch

Intensive Auseinandersetzung mit der Lektüre


Lesetagebücher bezeichnen parallel zur Lektüre geführte Journale, die zugleich eine freie und intensive Auseinandersetzung mit dem Text ermöglichen.

Lesetagebücher

Lesetagebücher sind eine oftmals in der Schule verwendete Methode um den Kindern einen besonderen und intensiven Umgang mit einer Lektüre zu verschaffen. Durch die relativ freie Gestaltung des »Tagebuchs« erhalten die Schüler einen persönlichen Zugang zur bearbeiteten Lektüre.

Was ist ein Lesetagebuch?

Ein Lesetagebuch ist – wie der Name schon sagt – eine Art Tagebuch, welches parallel zum Lesen einer Lektüre geführt wird und in dem verschiedene Eindrücke festgehalten werden können.

Lesetagebuch
Zitat
Leseeindrücke sammeln und
Sprachmöglichkeiten erweitern
»Für die lesenden und schreibenden Kinder und Jugendlichen ist das Lesetagebuch der Ort, wo sie ihre Lektüren und Leseeindrücke aufbewahren, wo sie Erzählformen und -muster aus ihren Büchern gleich selbst schreibend ausprobieren und damit ihre eigenen Sprachmöglichkeiten erweitern können.«
Prof. Dr. Andrea Bertschi-Kaufmann

Mögliche Inhalte eines Lesetagebuchs:

  • wann habe ich was gelesen?
  • Figurenverzeichnis
  • Zusammenfassungen wichtiger Textstellen
  • Charakterisierungen der Haupt- und Nebenfiguren
  • selbstgezeichnete Bilder (der Personen) anhand von Beschreibungen aus dem Text
  • Tabellen oder Zeitstränge um Abläufe und Handlungen zu verdeutlichen
  • persönliche Eindrücke
  • Probleme, die beim Lesen aufgetreten sind/Verständnisprobleme
  • Zitate, die wichtig für die Handlung sind oder dem Schüler/der Schülerin besonders gefallen
  • persönliche Meinung zur Lektüre am Schluss
  • stilistische Merkmale, die hervorstechen
  • Bilder und Beschreibungen der Lieblingscharaktere mit Begründungen
  • Eindrücke zu Verhaltensweisen gewisser Charaktere und Bewertungen
  • Situationen, die wichtig für die Handlung sind oder Wendepunkte darstellen
  • bildliches Festhalten gewisser Situationen und Handlungen
  • bildliches Festhalten des Schauplatzes anhand von Beschreibungen im Text
  • Kommentare der Schüler
  • ein alternatives Ende für das Buch
  • erklären mit welchem Charakter man sich am meisten identifizieren kann und warum
  • verschiedenste Assoziationen (z.B. Musik, Filme, etc.)
  • passende Bilder einkleben

Wie Sie sehen, sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt und lassen den Schülern großen Freiraum zur freien Entfaltung ihrer Kreativität.

Mögliche Fragen für das Lesetagebuch

  • Wann habe ich was gelesen?

  • Wo spielt die Geschichte?
    Kenne ich die Orte?
    War ich selbst schon dort?

  • Welche Ideen kamen mir beim Lesen?

  • Welche Textstellen gefallen mir besonders?

  • Welche Figur mag ich besonders?

  • Wie würde die Geschichte verlaufen, wenn ich sie selbst schreiben dürfte?

Vorteile von Lesetagebüchern

Altersunabhängig einsetzbar

Lesetagebücher sind als Unterrichtsmethode unabhängig von der Klassenstufe.

Diskussionen anregen

Lesetagebücher unterstützen das literarische Gespräch. Der Dialog zwischen Schülern und Lehrern wird gefördert.

Kompetenzen fördern

Erwerb von wichtigen Kompetenzen im Umgang mit Büchern.

Interesse wecken

Die intensive Auseinandersetzung mit der Lektüre kann das Interesse am Lesen wecken.

Förderbedarf erkennen

Probleme und Schwächen können frühzeitig erkannt werden

Fragen klären

Verständnisprobleme können frühzeitig erkannt und gelöst werden.

Weitere Vorteile

  • durch Beobachtung der Fortschritte können weiter Bücher vom Lehrer empfohlen werden
  • wirksame und stabile Lesekompetenz wird aufgebaut
  • nicht nur der Inhalt der Lektüre, sondern auch die Gedanken und Gefühle des Kindes werden hierbei reflektiert
  • man kann beobachten, wie sich der Lernprozess entwickelt
  • fördert das Nachdenken über das Gelesene
  • legt die Grundlagen zur Analyse und Interpretation

Erwerb von wichtigen Kompetenzen im Umgang mit Büchern:

  • Reflexion von Texten
  • bestimmte Art der Auseinandersetzung mit Texten
  • Sprechen über Texte
  • Präsentation der Ergebnisse

Lesetagebücher im Unterricht

Ob und in welchen Abständen das Tagebuch geführt wird, kann vom Lehrer entschieden werden. Auch in welchem Maße – also was rein kommt ins Lesetagebuch und was nicht – kann vom Lehrer entschieden werden.
Auch hier sind die Möglichkeiten mannigfaltig:
  • sind die Einträge in Form von wöchentlichen Hausaufgaben zu erledigen oder entscheiden die Schüler selbst wann sie einen Eintrag verfassen?
  • gibt der Lehrer vor wie der Inhalt des Tagebuchs auszusehen hat?
  • gibt der Lehrer vor welche Inhalte enthalten sein sollen?
  • wird das Lesetagebuch anschließend benotet?
  • inwiefern wird das Lesetagebuch ins Unterrichtsgespräch integriert?

Das Lesetagebuch ist also eine äußerst effektive Methode, die die Kinder nicht nur zum Lesen anregen kann, sondern auch verschiedenste Kompetenzen ausprägt, die in der weiteren schulischen Laufbahn von Bedeutung sind. Sie lässt sich beliebig oft wiederholen mit verschiedenen Werken und kann auch privat geführt werden.

Die Grundlagen, die hierdurch gelegt werden, helfen den Schülern auch außerhalb der Schule im Umgang mit literarischen und nicht-literarischen Texten umzugehen.

Klassenzimmer

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bertschi-Kaufmann, Andrea (2010).
    Einsichten in das Leseverhalten und das Lesenkönnen von Kindern.
    In: Schulz, Gudrun (Hg.). Basisbuch Lesen. Berlin: Cornelsen. S. 24-36.


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