Lesetagebuch

Leserfahrung festhalten und intensiv mit der Lektüre auseinandersetzen


In Lesetagebüchern werden Leseerfahrungen parallel zur Lektüre festgehalten. Sie unterstützen die freie und intensive Auseinandersetzung mit einem Buch oder Text.

Was ist ein Lesetagebuch?

Ein Lesetagebuch ist ein persönliches Journal bzw. eine Art Tagebuch, in dem die eigenen Eindrücke beim Lesen von Büchern oder Texten festgehalten werden. Es werden zum Bespiel wichtige Informationen zum Buch, eindruckvolle und spannende Textstellen, bedeutende Ereignisse oder auch Beschreibungen von Orten oder Figuren in das Lesetagebuch geschrieben.

Lesetagebücher können ganz freiwillig und ohne bestimmten Anlass geführt werden.  In der Schule gibt es aber auch kleine Aufgaben zu einzelnen Kapiteln, die im Lesetagebuch beantwortet werden sollen.

Bei der Gestaltung von Lesetagebüchern werden häufig keine speziellen Vorgaben gemacht, sodass einzigartige Sammlungen von Leseerfahrungen entstehen.

Kindern und Jugendlichen wird so der notwendige Freiraum gegeben, um sich mit gelesenen Inhalten auseinanderzusetzen.

Das Lesetagebuch im Unterricht

Vor allem in Schulen werden Lesetagebücher häufig in den Unterricht integriert. Sie eigenen sich sehr gut als Methode zur Leseförderung und zur Entwicklung einer stabilien Lesekompetenz. Die Erarbeitung eines Lesetagebuches verschafft den Schülerinnen und Schülern einen besonderen und intensiven Umgang mit verschiedenen Büchern und Texten.

Durch die relativ freie Gestaltung des Lesetagebuches erhalten die Kinder einen persönlichen Zugang zur bearbeiteten Lektüre. Den Inhalten von Büchern wird sich auf verschiedenste Weise angenährt, sodass vielfältige Ausdruckmöglichkeiten Anwendung finden. Jeder in der Klasse kann in das Lesetagebuch schreiben, malen, Dinge wie beispielsweise Fotos einkleben, kleine Collagen erstellen, Ideen sammeln etc.

Wie und in welchem Maße das Lesetagebuch in den Unterricht einfließt, ist Entscheidung der Pädagogen. Auch welche Schwerpunkte gelegt werden, wird von Fall zu Fall individuell entschieden.

Unterrichtsfragen zum Lesetagebuch:

  • Sind die Einträge in Form von wöchentlichen Hausaufgaben zu erledigen oder entscheiden die Schülerinnen und Schüler selbst wann sie einen Eintrag verfassen?

  • Gibt es Vorgaben zum Inhalt und der Gestaltung des Lesetagebuches oder werden möglichst viele Freiheiten eingeräumt?

  • Wird das Lesetagebuch anschließend benotet?

  • Inwiefern wird das Lesetagebuch ins Unterrichtsgespräch integriert?

Das Lesetagebuch ist eine äußerst effektive Methode, die die Kinder nicht nur zum Lesen anregen kann, sondern auch verschiedenste Kompetenzen ausprägt, die in der weiteren schulischen Laufbahn von Bedeutung sind. Sie lässt sich beliebig oft wiederholen mit verschiedenen Werken und kann auch privat geführt werden.

Die Grundlagen, die hierdurch gelegt werden, helfen den Schülerinnen und Schülern auch außerhalb der Schule mit literarischen und nicht-literarischen Texten umzugehen.

Lesetagebuch
Zitat
Leseeindrücke sammeln und
Sprachmöglichkeiten erweitern
»Für die lesenden und schreibenden Kinder und Jugendlichen ist das Lesetagebuch der Ort, wo sie ihre Lektüren und Leseeindrücke aufbewahren, wo sie Erzählformen und -muster aus ihren Büchern gleich selbst schreibend ausprobieren und damit ihre eigenen Sprachmöglichkeiten erweitern können.«
Prof. Dr. Andrea Bertschi-Kaufmann

Aufgaben für das Lesetagebuch (Auswahl):

  • Erstelle ein Figurenverzeichnis.
  • Fasse wichtige Textstellen oder Kapitel kurz zusammen.
  • Beschreibe die Haupt- und Nebenfiguren.
  • Zeichne oder male Bilder zu Figuren, Orten oder Situationen aus dem Buch.
  • Erstelle eine Tabelle oder entwerfe einen Zeitstrahl zur Verdeutlichung von Abläufen und Handlungen.
  • Beschreibe deine persönliche Eindrücke und Gefühle zu Textstellen.
  • Fragen und Verständnisprobleme, die beim Lesen aufgetreten sind
  • Liste die stilistischen Merkmale auf.
  • Beschreibe das Verhalten der Figuren im Buch und bewerte dieses.
  • Stelle wichtigen Situationen oder Wendepunkte dar.
  • Schreibe ein alternatives Ende für das Buch.

Mögliche Fragen für das Lesetagebuch

  • Wann habe ich was gelesen?

  • Wo spielt die Geschichte?
    Kenne ich die Orte?
    War ich selbst schon dort?

  • Welche Ideen kamen mir beim Lesen?

  • Welche Textstellen gefallen mir besonders?

  • Welche Figur mag ich besonders?

  • Wie würde die Geschichte verlaufen, wenn ich sie selbst schreiben dürfte?

Vorteile von Lesetagebüchern

Altersunabhängig einsetzbar

Lesetagebücher sind unabhängig vom Alter und der Klassenstufe anwendbar.

Diskussionen anregen

Lesetagebücher unterstützen das literarische Gespräch. Der Dialog zwischen Schülern und Lehrern wird gefördert.

Kompetenzen fördern

Erwerb von wichtigen Kompetenzen im Umgang mit Büchern. Grundlagen zur Analyse und Interpretation werden gelegt.

Interesse wecken

Die intensive Auseinandersetzung mit der Lektüre kann das Interesse am Lesen wecken.

Förderbedarf erkennen

Probleme und Schwächen können frühzeitig erkannt werden, sodass eine gezielte Förderung erfolgt.

Fragen klären

Verständnisprobleme können frühzeitig erkannt und gemeinsam gelöst werden.

Empfehlungen ermöglichen

Durch erkennbare Lesefortschritte können weitere und der Lesekompetenz entsprechende Bücher empfohlen werden.

Horizont erweitern

Neben den Inhalten der Lektüre werden auch Gedanken und Gefühle zu den Büchern reflektiert.

Lernprozess beobachten

Entwicklungen und Erfolge im Lernprozess sind klar ersichtlich.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bertschi-Kaufmann, Andrea (2010).
    Einsichten in das Leseverhalten und das Lesenkönnen von Kindern.
    In: Schulz, Gudrun (Hg.). Basisbuch Lesen. Berlin: Cornelsen. S. 24-36.


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